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Niemand kann besser vermitteln, was es bedeutet, Diabetes zu haben, als wir - die Menschen mit Diabetes. Hier erzählen Menschen mit Diabetes ihre Geschichte, um anderen Menschen Mut zu machen.

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Tim

Diabetes ist schon seit jeher Teil meines Lebens: Mein Vater hat seit knapp 40 Jahren Typ 1 und meine Eltern haben mir erzählt, dass ich ihm schon bevor ich sprechen konnte mit Fingerpieks-Gesten Bescheid gesagt habe, dass es Zeit zum Messen und Spritzen ist.

Meine eigene Diabetes-Geschichte begann irgendwann im August 2014. Ich war im Urlaub gewesen, und als ich wieder zurück war, fragte mich fast jeder, ob ich gewachsen sei oder abgenommen hätte (letztendlich waren es 10 kg weniger). Ich begann außerdem, mehr zu trinken (aber es war ja Sommer und relativ warm draußen) und auch mehr auf die Toilette zu müssen (klar, wenn man mehr trinkt...). Dazu kamen Wadenkrämpfe abends und nachts, trockene Haut und rissige Mundwinkel, ich war am Tag nach einem längeren Arbeitstag komplett müde und fertig – eigentlich die klassischen Symptome für Diabetes, aber ich hatte ja gerade angefangen, in einem neuen Job zu arbeiten und bin sowieso nie krank…

Am langen Wochenende über den Tag der Deutschen Einheit hatte ich frei und wollte ein ruhiges Wochenende bei meinen Eltern verbringen. Auf der einstündigen Bahnfahrt hatte ich eine 1-Liter-Wasserflasche ausgetrunken, zu Hause angekommen musste ich erst mal aufs Klo und dann wollte ich gleich wieder etwas trinken. Meiner Mutter als Krankenschwester war das etwas suspekt: "Wir messen jetzt mal deinen Blutzucker!". Ein Messgerät war ja ohnehin im Haus. 562 mg/dl. Also fiel das Abendessen aus, wir fuhren stattdessen ins Krankenhaus. In der Notaufnahme wurde dann noch einmal mein Blutzucker gemessen: 31,2 mmol/l. „Das ist die Eintrittskarte, dass Sie über Nacht bleiben dürfen“, war der Kommentar des Krankenpflegers.

Die folgenden 36 Stunden habe ich – wegen des Feiertags als einer von zwei Patienten – auf der Intensivstation im Bett verbracht und auch zum ersten (und hoffentlich einzigen) Mal 24 Stunden lang nichts gegessen. Das klingt im Nachhinein schlimmer, als es zu dem Zeitpunkt war: Dank des Insulins kam der (reichlich vorhandene) Zucker aus dem Blut ja nun endlich in die Zellen. Hunger hatte ich keinen, ich wollte nur endlich mal wieder etwas kauen. Das erste Käsebrot danach hat noch nie so intensiv geschmeckt!

Eigentlich war ich immer froh, weil ich dachte, mittlerweile sei das "kritische Alter" überschritten und das Los des Diabetes endgültig an mir vorübergegangen. Spritzen ist bis heute nichts für mich und auch wenn ich mich mehrmals täglich mit dem Pen piekse, kann ich das beim Blutabnehmen oder im Fernsehen überhaupt nicht sehen. Als es mich dann doch erwischt hat, war ich trotz allem Wissen ziemlich überwältigt: Verdammt, jetzt hat es dich doch noch erwischt!

Einerseits bin ich ganz glücklich, dass es mich mit 24 Jahren erst relativ spät eingeholt hat: in einem Alter, wo ich für mich selbst Verantwortung übernehmen kann, alleine lebe und ohne die zusätzlichen Schwierigkeiten als Kind oder in der Pubertät. Andererseits habe ich so auch ein Leben vor dem Diabetes und weiß, wie es ohne war.

Dass ich jetzt quasi schon in zweiter Generation Typ 1 habe, machte es mir bei meiner Diagnose leichter, weil ich wusste, was mich erwartet und dass man mit Diabetes 40 Jahre lang gut leben kann. Mein großes Vorbild in Sachen Diabetes habe ich also schon länger, als ich selbst im "Club" bin. Außerdem hilft es mir ein Stück weit bei der Akzeptanz: So habe ich wenigstens jemanden, der "verantwortlich" ist und bin nicht aus heiterem Himmel der einzige in der Familie. Außerdem ist meine Verwandtschaft ja Diabetes und den Umgang damit gewohnt, sodass alle sofort relativ natürlich damit umgegangen sind. Aber das macht mir gleichzeitig auch Angst: Was passiert, wenn es eine dritte Generation gibt...?

Generell gehe ich recht offen mit meinem Diabetes um und verstecke solche Dinge wie Messen oder Spritzen nicht. Aber trotzdem ist mir eine Sache wichtig: Ich lasse ihn nicht mein Leben bestimmen!

Ich war 14 Jahre alt, als die Diagnose meines Hausarztes „Diabetes Typ 1“ lautete. Damit konnte ich damals nicht viel anfangen. Erst in der Klinik verriet mir die Krankenschwester, was mich künftig erwartet: Sieben Mal am Tag den Blutzucker messen, Tagebuch schreiben, keinen Zucker mehr essen und etwa vier Mal am Tag selbst das Insulin spritzen. Gleichzeitig hielt man mir den Diätplan vor die Nase, zeigte mir das Messgerät, erklärte dessen Funktion und steckte mir die erste Einwegspritze in den Bauch, die sie vorher mit Insulin aufgezogen hatten.
 
Die Diagnose „Diabetes Typ 1“ traf mich wie ein Schlag ins Gesicht. Obwohl ich mich manchmal sogar frage, ob ich nicht sogar mehr am Klinikaufenthalt als an der Diagnose zu knabbern hatte. Nun ja: Drei Wochen war ich nun in der Klinik damit beschäftigt, von morgens bis abends und sogar nachts den Blutzucker zu messen; Insulin zu spritzen (was ich trotz meiner Angst am zweiten Tag können musste); mich nach einem strengen Diätplan zu ernähren und alle Aktivitäten zu protokollieren; darüber nachzudenken, wie viele BEs die Lebensmittel haben, und meinen Insulinbedarf danach auszurichten; und ins Labor und zu Untersuchungen zu rennen und an Schulungen teilzunehmen.
 
Dabei beobachtete ich weitere Diabetes-Patienten in der Klinik, die blind waren, kein Bein mehr hatten oder unter sonstigen Folgeschäden litten. In mir brach eine Welt zusammen. Ich gab mir selbst die Schuld an der Krankheit, verstand vieles noch nicht. Wahrscheinlich lag das auch daran, dass ich fast wie ein Typ-2-Diabetiker behandelt wurde und damals eben noch andere „Spielregeln“ galten. So kam es bei mir bald zum Kontrollzwang und zur Essstörung...
 
Dank meiner Diabetologin, psychologischer Hilfe, meinem Mann und meinem liebstem Hobby, dem Sport, lernte ich mich selbst wieder Wert zu schätzen und meine Leistung nicht rapide abzuwerten. Ich setze mir nun immer wieder neue Ziele, sehe den Sinn im Leben dadurch wieder, und mir ist bewusst, dass das Leben schöne Seiten hat. Die Krankheit bestimmt nicht mehr mein Leben, sondern ist „nur“ mein ständiger Begleiter. Letztendlich habe ich ihr auch meinen Ehrgeiz, meine Motivation und Beharrlichkeit zu verdanken. Das wurde mir bewusst – und so kam es zum Perspektivenwechsel.
 
Es hat alles gedauert und heute lebe ich sehr gut mit der Erkrankung, nehme an Marathons teil oder auch an 24-Stunden-Läufen. Fahre Rennrad, Mountainbike, genieße das Leben. Ich gehe sehr offen mit dem Diabetes um, auch im Arbeitsleben.  Es ist wie es ist und so soll es eben sein. Zugegeben, die Folgeschäden machen mir schon Angst und es wäre gelogen zu sagen, dass der Diabetes mir nie Probleme bereitet.
 
Aber er gehört eben dazu, hat seinen Platz eingenommen. Vorteile hat er mir ja nun auch beschert, seien es viele neue Kontakte, (insbesondere sportlicher) Ehrgeiz, interessante Jobs oder die Getränke, die ich in Konzerten einschleusen durfte ;)

Mein 13. Geburtstag stand kurz bevor (ein Sonntag), aber schon seit einigen Wochen ging es mir gar nicht mehr gut. Ich war ziemlich schlapp, hatte abgenommen, aber das für mich und mein Umfeld Auffälligste war mein ständiger Durst. Ich war (und bin) nie jemand, der sonderlich viel getrunken hat, aber plötzlich konnte ich kaum genug trinken, meine Kehle brannte förmlich. In der Spitze habe ich an die 6 Liter pro Tag geschafft, aber nichts konnte meinen Durst so wirklich löschen. Eines Nachts hatte ich zudem einen Wadenkrampf, was für mich zu dem Zeitpunkt auch komplett neu war. Ohnehin waren die Nächte nicht gerade erholsam, da ich ständig zur Toilette musste.

Kurzum: Ich merkte, dass irgendetwas komisch war, anders als sonst, aber ich wollte irgendwie nicht so richtig wissen, was es nun war. Ich weiß noch, dass eine Freundin damals zu mir sagte: "Viel Trinken kann ein Anzeichen dafür sein, dass du Zucker hast!"

Zucker -  das war für mich damals noch ein ganz normaler Begriff für Diabetes, den ich heute nicht mehr verwenden würde, weil Diabetes für mich mittlerweile ein ganz selbstverständlicher Ausdruck geworden ist. Damals war es das noch nicht. Ich kannte das Ganze hauptsächlich aus dem Fernsehen und von einer Freundin, mit der ich damals seit kurzem Gitarre spielte. Ich wusste, dass sie Diabetes hatte, dass sie gut damit zurechtkam, und das war es auch schon. Für mehr hatte ich mich damals nicht interessiert - das sollte sich bald ändern.

Meine Eltern hatten irgendwann genug von meinem ständigen Durst und wollten gerne sichergehen, dass es nicht doch etwas Schlimmeres ist. Meine Mutter und ich gingen also zum Arzt, auch wenn ich davon nach wie vor wenig begeistert war.
In der Sprechstunde zeichnete sich dann für mich auch ziemlich schnell ab, dass etwas gar nicht gut war. Alle Fragen, die der Arzt stellte, musste ich mit "Ja" beantworten - Viel Durst? Abgenommen? Häufiger Harndrang? Wadenkrämpfe? Kurz zurückliegende Viruserkrankung? (Windpocken in meinem Fall) 

Dass die sich wiederholenden "Ja"-Antworten tatsächlich nichts Gutes verhießen, ließ sich dann spätestens feststellen, als mein Arzt sich nach dem letzten "Ja" seufzend zurücklehnte und ein deutliches "Ach du Scheiße" verlauten ließ. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass das vielleicht nicht gerade die beste Methode war, einer 12-jährigen näher zu bringen, dass sie vielleicht eine chronische Krankheit hat, aber damals habe ich es gar nicht als so schlimm empfunden.

Der Arzt sagte jedenfalls, wir müssten sofort einen Blutzucker-Test machen, ich hätte vielleicht Diabetes. Also wirklich Zucker, Diabetes, diese Krankheit, die meine Freundin auch hatte, und von der ich doch so gar nichts wusste? Dass mein Arzt so schnell auf Diabetes als mögliche Erkrankung kam, war übrigens wohl auch ein wenig Glück, da eben dieser Arzt gerade eine Woche zuvor erstmalig bei einem Jugendlichen Typ 1-Diabetes diagnostiziert hatte und deshalb wohl noch ziemlich sensibilisiert für das Thema war.

Und so ging es dann ins Labor, wo eine Sprechstundenhilfe mich mit einer Nadel (ja, es war tatsächlich eine Nadel) in den Finger piekste und dann mit einem Blutzucker-Messgerät meinen Wert ermittelte. Das Auftragen vom Blut auf den Teststreifen fand ich etwas befremdlich, allerdings nicht so sehr wie das Ergebnis: HI.

Was sollte das denn nun bedeuten? Sollte da nicht eigentlich eine Zahl stehen?
Der Sprechstundenhilfe ging es ähnlich wie mir, sie musste eine Kollegin rufen und gemeinsam schauten sie sich dann in der Bedienungsanleitung des Messgeräts an, was diese Buchstabenkombination nun zu sagen hatte. Dann wechselten die beiden einen Blick, den ich nie vergessen werde. Ab da wusste ich es eigentlich schon.
Ich bin dann zurück zu meiner Mutter gegangen und habe direkt ganz nüchtern zu ihr gesagt: "Ich habe Diabetes."

Meine Mutter versuchte natürlich erstmal, mich etwas zu beruhigen und mir zu sagen, dass ich doch abwarten sollte, aber für mich war klar, was kommen würde. Und trotzdem hoffte ich so sehr, dass ich mich irrte und einfach ganz normal weiterleben konnte wie bisher.

Kurz darauf kam der Arzt wieder zurück ins Sprechzimmer und sagte diesen einen Satz, den ich nicht hatte hören wollen und der mein Leben von heute auf morgen komplett auf den Kopf stellen sollte: "Ja, sie ist Diabetikerin."

Ich reagierte erstmal sehr gefasst, hörte mir an, was jetzt zu tun war und lächelte sogar. Ich wollte dem Arzt irgendwie nicht zeigen, wie es wirklich in mir aussah, und so richtig realisiert hatte ich es da wohl auch noch nicht. Erst einmal wurde mir gesagt, dass HI wohl für high steht und einen Blutzuckerwert anzeigt, der so hoch ist, dass das Gerät ihn nicht mehr messen kann (bei diesem Gerät bedeutete das über 500 mg/dl). Zur Einordnung erfuhr ich, dass mein Blutzucker normalerweise ungefähr bei 100 mg/dl liegen sollte - das machte mir dann schon etwas Angst.

Als vermutlicher Auslöser wurden mir die Windpocken genannt, die ich vor einem Monat gehabt hatte. Ob das nun tatsächlich so war, weiß ich bis heute nicht, aber Viruserkrankungen gelten nach wie vor als ein möglicher Auslöser für Typ-1-Diabetes. Da es bei mir auch zeitlich mit dem Beginn der Symptome übereinstimmte, halte auch ich diese Erklärung für wahrscheinlich. Man machte mir allerdings direkt klar, dass es nicht meine Schuld war, dass ich nun Diabetes hatte, sondern dass die Veranlagung immer da gewesen war - wären es nicht die Windpocken gewesen, hätte wohl etwas Anderes das Ganze ausgelöst.

Dann wurde mir erklärt, dass Diabetes früher mal ein Todesurteil war, man inzwischen aber gut damit klarkommen konnte. Ich müsse nur messen und spritzen und um das richtig zu lernen, müsste ich ins Krankenhaus - für mich die nächste Hiobsbotschaft, schließlich hatte ich in drei Tagen Geburtstag! Wir einigten uns dann auf folgendes Prozedere: Am nächsten Morgen sollte ich nüchtern kommen und vom Labor meinen genauen Wert ermitteln lassen. Falls dieser in einem akzeptablen Bereich wäre, könnte man das Wochenende abwarten und mich erst am Tag nach meinem Geburtstag ins Krankenhaus schicken. Es sei dafür aber sehr wichtig, vorerst keine Kohlenhydrate zu mir zu nehmen, was natürlich auch Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke einschloss (toller Geburtstag wird das, war damals so mein Gedanke). Allerdings erhielt ich auch eine gute Nachricht: "Wenn du erstmal messen und spritzen kannst, darfst du wieder alles essen, was du willst."

Das war der Gedanke, an dem ich mich damals hochgezogen habe und der mich eigentlich auch heute noch trägt. Nach der Diagnose habe ich zu Hause erst einmal geweint, aber das sind die einzigen Tränen gewesen, die ich wegen der Diagnose vergossen habe. Als nächstes habe ich meine Freundin, die auch Diabetes hatte, angerufen, ihr davon erzählt und beschlossen, die Krankheit irgendwie anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Mein Ziel war es, alles gut in den Griff zu kriegen. Ich freute mich sogar ein wenig darüber, dass ich jemanden hatte, mit dem ich mich über alles austauschen konnte und der mir Tipps geben konnte. Anders als viele Andere hatte ich also nie ein Akzeptanz-Problem, was mir sicher vieles einfacher gemacht hat.

Als man mir am nächsten Tag mitteilte, dass mein Wert bei 426 mg/dl läge, ich aber trotzdem übers Wochenende zu Hause bleiben (und ekelhafte Diabetes-Sachen wie Diabetiker-Kuchen zum Geburtstag essen ;-)) durfte, freute ich mich und stellte mich gleichzeitig darauf ein, dass nach diesem Wochenende ein neues, anderes Leben beginnen würde.

Und das war es und ist es bis heute.

Vor 30 Jahren wurde bei mir in der Schwangerschaft ein erhöhter Blutzuckerspiegel festgestellt. Damals ein Schock. In der Schwangerschaft müsste ich streng nach einem von einer Ernährungsberaterin erstellten Plan leben. Das war schwer für mich, auf einmal auf Süßes zu verzichten. Zucker und Kohlenhydrate gehörten für mich zum täglichen Leben dazu.

Im Anschluss an die Schwangerschaft erkrankte ich an Rheuma. Bedingt durch die Medikamente gehöre ich bis heute zur Risikogruppe. Darum lasse ich vierteljährlich meine Werte überprüfen. 

Diese Seite kannte ich noch nicht. Kann sie nur weiterempfehlen!

Unser erstes Kind war sehr aufgeweckt. Sie konnte sich früh drehen, krabbelte allen davon und sprach schnell die ersten Sätze. An ihren Windeln hing sie allerdings. Ihre Freunde wurden z.T. schon mit anderthalb teilweise trocken. Ich machte mir keine Gedanken. Bis drei Jahre ist es völlig in Ordnung. Sie war noch keine zwei Jahre alt bei der Diagnose. Wir wohnten damals an einer großen Wiese, auf der jedes Jahr im Oktober ein Jahrmarkt stattfand. Auf diesem Jahrmarkt waren wir mit der Krabbelgruppe verabredet.
 
Ich wusste, dass ich viele Windeln benötigen würde. Ich packte also die Wickeltasche: 10 Windeln, Wickelunterlage, drei Hosen, fünf Strumpfhosen, fünf Bodys, vier Pullis und eine Ersatzjacke. Mit diesem Koffer ging es zum Jahrmarkt. Mir fiel auf, dass die anderen Mütter zum Teil nur zwei Windeln und Feuchttücher dabei hatten. Sie schauten mich etwas ungläubig an, als ich mit meiner riesigen Tasche am Treffpunkt aufschlug. Wir wohnten fast direkt an dem Gelände.
 
Meine Tochter bekam ihre erste Zuckerwatte, wir fuhren Karussell und ich wechselte eine Windel nach der anderen während die Krabbelgruppe die kleine Eisenbahn ausprobierte. Sie wollte unbedingt ins Riesenrad, also stellten wir uns an und fuhren mit. Die Fahrt mit Anstellen dauerte keine Viertelstunde und ich hatte vorher noch einmal die Windel und die Strumpfhose gewechselt. Trotzdem war nach der Fahrt alles nass. Die Windel war durch, die letzte Hose war aufgebraucht, im letzten Karussell fuhr sie nur in Strumpfhose mit, dann verabschiedeten wir uns. Nach anderthalb Stunden war mein Vorrat an Kleidung und Windeln aufgebraucht, wir nutzten schon Leihgaben und ich hatte den leisen Verdacht, dass etwas nicht in Ordnung sein kann.
 
Zwei Tage später stand die U-Untersuchung an. Mein Mann - der unsere damalige Kinderärztin nicht besonders mochte - äußerte, dass die Ärztin uns nicht glauben könnte, wie ein halbes Jahr zuvor, als wir dann mit einem topfitten Kind mit Lungenentzündung eingeliefert wurden. Auch dieses Mal war sie topfit. Sie bekam nie Fieber. Nur die Windelberge stiegen. Ich wusste, es ist Diabetes.
 
Ich recherchierte im Internet zu Diabetes und wusste, dass eine Blutuntersuchung nötig sein würde. Mit diesem Wissen ging ich zur U-Untersuchung. Wie befürchtet, erklärte mir die Ärztin, dass es sich um einen Wachstumsschub handeln würde. Ich bestand auf einer Blutuntersuchung und die Ärztin erklärte mir, dass dies mein Kind traumatisieren könnte, man solle erst einmal Urin sammeln. Ich bestand dennoch darauf. Ich zeigte ihr meine Notizen. Mein Mann und ich hatten an dem Sonntag nach dem Kirmesbesuch Buch geführt über ihre Trinkmenge. 2,7 Liter hatte sie getrunken. An einem Tag. Die Ärztin führte die Blutuntersuchung durch und schickte uns nach Hause. Sie würde sich melden, wenn etwas wäre. Wir sollten versuchen, den Urin aufzufangen. Zwei Stunden später rief sie an. Wir sollten die Überweisung abholen und direkt ins Krankenhaus fahren. Dort blieben wir eine Woche lang. Meine Tochter erhielt ihre Insulinpumpe und wurde eingestellt und wir wurden geschult.

Hi, mein Name ist Stephi und meine Diagnose Diabetes Mellitus Typ-1 kam vor fast einem Jahr, am 03.12.2015. Dieses Datum hat sich so in mein Hirn gebrannt, dass ich schon überlegt hatte es mir tätowieren zu lassen. Ich wollte es erst nicht wirklich wahr haben. Ich hatte viel abgenommen, allerdings dachte ich, dass meine sportlichen Aktivitäten und meine Ernährungsumstellung endlich Früchte tragen. Bis ich dann anfing sehr sehr viel Wasser zu trinken, meinen Durst aber nicht löschen konnte. Ständige Toilettengänge, Krämpfe in den Waden, dass ich vor Schmerzen geweint habe, etc. etc. Ihr kennt das vielleicht... 

Ein guter langjähriger Freund, der schon sehr lange Diabetes hat, hat sich meine Sorgen angehört und mir sein Messgerät in die Hand gedrückt mit den Worten "Teste mal". Ich hatte keine Ahnung welche Werte normal sind und welche nicht. Erst als er mich erschrocken ansah dachte ich mir, dass 300 wohl kein allzu guter Wert war. 
Dann also ab zum Arzt Blut abnehmen, auf die Ergebnisse warten und zwei Tage später saß ich schon in der Praxis meines Diabetologen. Und eins kann man mir glauben, ich war mehr als fertig. Das letzte bisschen Boden wurde mir unter den Füßen weggerissen. 

Anfangs lief es eigentlich ganz gut. Ich musste alles alleine zu Hause lernen. Mir wurde mein Insulin in die Hand gedrückt, kurz erklärt wie ich messe und spritze und ab gings nach Hause. Die ersten drei Monate liefen hervorragend. Dadurch, dass ich sehr schnell zum Arzt bin, war mein HbA1c-Wert noch nicht allzu hoch (8,8) und nach drei Monaten war er bei 6,4. Aber irgendwann holt dich das Leben ein und spielt dir einen Streich. Erst Tage, dann Wochen und irgendwann tatsächlich Monate vergingen, in denen ich weder gemessen noch gespritzt habe. Die Folge? Tja, ihr könnt es euch denken. Mein HbA1c-Wert schoss auf 10,8. 

Endlich kam ich dann im Juni diesen Jahres auf Reha. Ich wollte nur für mich und mein "Monster" sein. Endlich lernen damit umzugehen, endlich andere Menschen treffen die wissen, wie ich mich fühle und mich nicht dafür fertig machen wenn ich mal schlechte Laune habe. Und genau das ist passiert. Ich traf genau die richtigen Leute, denen ich mich anvertrauen konnte, die mir geholfen haben, die mir meine Fragen beantwortet haben. Ich traf sogar meinen inzwischen neuen Partner (auch DM Typ 1), der sich seit dem ersten Tag um mich gekümmert hat. 

Natürlich sind meine Werte nicht immer tip top und ich habe noch einiges zu lernen. Aber ich habe Menschen an meiner Seite die mir tagtäglich zeigen, wofür es sich lohnt auf sich acht zugeben. Momentan bin ich noch am überlegen mir den Freestyle Libre zu holen – aber ich bin so tollpatschig, dass ich befürchte dass der Sensor ständig abgeht. Aber das wird sicher, ich bin guter Dinge :)

Was ich durch meine Diagnose Diabetes Mellitus Typ 1 in knapp einem Jahr gelernt habe? Es ist wichtig, Dinge hinter dir zu lassen, die dir nicht gut tun und das allerwichtigste: Ich bin nicht allein! Es gibt so viele von uns und es ist schön, andere Geschichten zu hören oder zu lesen. 

Manchmal gibt es Tage, da möchte ich meine Krankheit wieder abgeben weil ich sie nicht akzeptieren will, aber dann gibt es wieder die anderen Tage, an denen ich weiß, wenn ich diese Krankheit nicht hätte, hätte ich all die wunderbaren Menschen nicht kennengelernt oder mir um viele Sachen wie z. B. Ernährung etc. keine Gedanken gemacht. 

Danke für’s lesen, auch wenn’s ein bisschen länger geworden ist :) Und alles Gute für jeden Einzelnen von euch. 

Meine Diabetes-Geschichte fängt genau genommen schon gut 12 Jahre vor meiner Geburt an. Damals bekam mein 8 jähriger Bruder Typ-1-Diabetes. So wuchs ich schon gleich mit dieser Krankheit auf, erkannte sie aber niemals als solche an. Mein Bruder war für mich ein gesunder Mensch, der ab und zu Essen musste, obwohl er keinen Hunger hatte und wegen dem noch Diabetikerschokolade im Schrank verstaubte (die 80er lassen grüßen). 

Meine eigene Diagnose bekam ich mit 10 Jahren, am Nikolaustag. Als damals alle in Tränen ausbrachen, verstand ich die Welt nicht mehr. Ich hatte jetzt das, was mein Bruder hatte – und dem ging es doch immer gut!? 

Erst jetzt, nach 17 Jahren, kann ich diese Reaktion nachvollziehen. Ich habe gute und schlechte Zeiten mit meinem Diabetes. Gerade in der Pubertät waren mein Diabetes und ich nicht gerade gute Freunde. Nächtliche Unterzuckerungen, Krampfanfälle und letztendlich die Diabulimie machten mich blind für meinen Diabetes. Ich ignorierte ihn jahrelang und fiel 2013 ins Koma. Seitdem habe ich mir vorgenommen, mehr für mich und auch für meinen Diabetes zutun. 

Ich trage mittlerweile eine Pumpe, und auch wenn es immer noch Reibereien zwischen uns gibt, würde ich heute sagen, dass wir unser Leben zusammen ganz gut meistern. Und es hat sogar seine Vorteile: ich habe neue Hobbys und neue Freunde gefunden. 

Mein Name ist Salma, 14 Jahre alt und leidenschaftliche Voltigiererin. Mein Diabetes Mellitus Typ 1 wurde in den Sommerferien 2013 entdeckt. Uns war zwar aufgefallen, dass es mir nicht gut ging, aber mein Hund Lulu hat uns wortwörtlich den letzten Stupser gegeben. Sie hat sich, ohne vorheriges Training, sehr aufdringlich verhalten, sodass meine Mutter gedacht hat, dass wohl wirklich etwas nicht stimmen kann. Ich bin damals in die 5. Klasse eines Gymnasiums gekommen und habe dort die erste Woche verpasst, weil ich im Krankenhaus war. Aber das war im Nachhinein kein großes Problem.

Meine größte Angst war meinen Sport nicht mehr ausführen zu können. Die Angst hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. 2014 habe ich einen Omipod bekommen und Anfang 2016 meinen Sensor. Im Juli 2015 wurde meine Zöliakie entdeckt. Ich hatte keine richtigen Symptome, aber da ich sehr wenig Insulin brauche und wegen ein paar anderen Faktoren haben wir uns entschlossen mich darauf testen zu lassen. 

Dank meiner Familie, meinen Freunden, meinem Hund und meiner Volti-Familie kann ich mittlerweile sehr gut und selbständig mit meinen Krankheiten umgehen und habe keine Probleme damit. Ich kann erfolgreich meinen Sport ausüben und habe auch keine Probleme in der Schule.

Meine Diabetes-Geschichte fing vor über 10 Jahren an. An einem heißen Tag im August. Es war ein normaler Tag. Na ja, nicht ganz normal. Mein Sohn (14 Monate) war seit geraumer Zeit krank. Er war blass und hatte tiefe Ringe unter den Augen. Seit Tagen schlief er nicht gut und weinte viel, wollte ständig trinken. Dadurch kam ich kaum dazu die Umzugskisten auszupacken. Drei  Wochen zuvor waren wir endgültig in unser Haus eingezogen und es gab noch so viel zu tun. 

Mein Sohn hatte einen eitrigen Windelausschlag am Po, der einfach nicht verheilen wollte. Deshalb saß ich schon wieder beim Arzt im Sprechzimmer und hatte erzählt, dass mein Sohn sehr viel trinken würde. Ob das normal sei. Die Sprechstundenhilfe machte einen Test, für den etwas Blut gebraucht wurde. Das Gerät zeigte allerdings nichts an, sondern meckerte ständig. Sie schickte uns zurück ins Sprechzimmer, nachdem sie es mit anderen Geräten ebenfalls erfolglos probiert hatte. Minuten vergingen, bis endlich der Arzt kam. Er sah mich besorgt und abschätzend an. Da wusste ich, dass etwas ganz und gar nicht stimmte, und in meinem Magen und Hals bildete sich ein dicker Knoten. Dann sagte er einen Satz, den keine Mutter hören möchte: "Ihr Sohn hat Diabetes." 

Als er mir erklärte, dass er bereits in der Klinik angerufen hätte, ich sollte sofort meine Sachen packen und unverzüglich dort hinfahren, konnte ich nur noch weinen. 
Eine Stunde später stand ich unter Schock in der Notaufnahme. Ärzte Krankenschwestern, piepsende Geräte und mein schreiendes Kind. Ich war mit der Situation total überfordert. Die nächsten zwei Tage liegen in einem tiefen Nebel. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich viel weinte, nachts nicht schlafen konnte und ohne einen konkreten Gedanken an die Decke starrte. Der schlimmste Liebeskummer war nichts gegen das, was ich zu diesem Zeitpunkt fühlte.

Und dann bin ich wieder aufgestanden. Geistig und körperlich. Für unser Kind. Mein Mann und ich wurden geschult. Zusammen mit meinen Schwiegereltern. Geduldig wurden all unsere Fragen beantwortet. Wir lernten Mister Diabetes kennen. Den unkündbaren Mitbewohner unseres Sohnes. Beide machten zusammen ihre ersten Schritte im Park des Krankenhauses. Und dann, als wir nach drei Wochen entlassen wurden, ging es weiter. Schritt für Schritt. Mister Diabetes und mein Sohn lernten das Laufen und Sprechen, besuchten zusammen die Krabbelgruppe und später den Kindergarten. Gingen zum Mutter-Kind-Turnen. Bekamen noch eine kleine Schwester. Lernten zusammen schwimmen und kamen schließlich zur Schule. 

Inzwischen hat mein Sohn die Grundschulzeit erfolgreich überstanden. Er ist groß geworden. Es gab natürlich immer wieder Situationen, da dachte ich, an meine Grenzen zu kommen und wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Dank der Unterstützung vieler Menschen, konnten wir für viele Probleme eine Lösung finden.  Für das Diabetes-Management braucht man Geduld und reichlich Ausdauer, und, das habe ich in den letzten Jahren gelernt, ein gewisses Maß an Gelassenheit. 

Meine Diabetes-Geschichte neigt sich nun langsam dem Ende zu, während die meines Sohnes beginnt. In Sachen Diabetes ist er auf dem besten Weg ein Profi zu werden. Bis es soweit ist, werde ich beide noch ein bisschen begleiten und im Auge behalten. Mein Sohn ist in jeder Form gewachsen, so wie ich auch. Mister Diabetes hat es uns nicht immer leicht gemacht. Warum es mein Kind getroffen hat, das frage ich mich schon lange nicht mehr, denn es gibt auf der Welt weit schlimmere Dinge, als Diabetes zu haben!

1997, im Alter von 26 Jahren, wurde bei mir Diabetes Typ-1 diagnostiziert. 

Aus heutiger Sicht und mit heutigem Wissen hatte ich als erstes Anzeichen beim Radfahren bemerkt. Ich hatte immer öfter Probleme, mit den anderen mitzuhalten, und bekam oft Muskelkrämpfe. Außerdem war ich ständig müde, oft sehr schlapp und hatte viel abgenommen. Irgendwann kam dann noch der immer extremer werdende Durst dazu. Ich erinnere mich noch ganz genau an den einen ganz bestimmten Abend: Meine Frau und ich waren mit einigen Freunden zum Bowling verabredet und für mich gab es nur drei Wege: Zum bowlen, an mein "Cola Glas" und zur Toilette. Nach einiger Zeit nahm mich die Cousine meiner Frau, eine examinierte Krankenschwester, zur Seite und meinte: „Wenn Du eigentlich nicht schon zu alt wärst, würde ich sagen, Du hast Diabetes. Sieh zu, dass Du zum Arzt gehst.“ Ich nahm Ihren Rat an und bin meinem damaligen Hausarzt noch heute für die schnelle Diagnose dankbar, denn er holte, während ich noch am Reden war, bereits das Blutzuckermessgerät aus dem Schrank. Einmal piksen, einige Sekunden warten und dann… 380mg/dl… DIAGNOSE DIABETES!!!

Wir hatten erst vier Wochen zuvor geheiratet und ich sagte nur zur meiner Frau: „Pech gehabt…, das Umtauschrecht ist leider abgelaufen…“ 

Sehr viel Unterstützung und Verständnis fand ich in meiner Familie und in der Gruppe „Die Insuliner“ in Wiesbaden. Die ersten Jahre liefen richtig gut und ich kam mit dem Diabetes sehr gut klar. Doch irgendwann fing ich an, den Diabetes zu vernachlässigen. Die Karriere und eigentlich alles andere drängte sich in den Vordergrund. Ich war nur noch am Wochenende zu Hause und der Diabetes wurde zur Nebensache, aber ich war mir immer sicher, der nächste HbA1c wird bestimmt wieder besser... Aber, denkste! Das ging dann etwa 4 Jahre lang so weiter. 

Nachdem sich meine damalige berufliche Situation dann auch noch anderweitig negativ auf meine Gesundheit auswirkte, habe ich vor drei Jahren die Notbremse gezogen, mich beruflich verändert und entschieden, bei meinem neuen Arbeitgeber von Anfang an ganz offen mit dem Diabetes umzugehen. 

Der nächste, entscheidende Schritt war, dass ich mich letztes Jahr dazu entschlossen habe, wieder an einer Schulung teilzunehmen. Dieser Schulung habe ich extrem viel zu verdanken. Ich habe so viel Neues erfahren, konnte bereits Erlerntes wieder auffrischen und kann mich vor allem seitdem wieder selbst motivieren. Die Schulung selbst und die Geschichten, Erlebnisse, Ängste und Schwierigkeiten von den vielen Mitbetroffenen waren letztendlich die Auslöser, mich noch intensiver mit dem Thema Diabetes zu beschäftigen und unter anderem einen Blog zu schreiben. Mein Blog www.diabetes-lifestyle.indisu.com ist seit kurzem online und es sind mittlerweile doch schon einige Beiträge vorhanden. Schaut doch einfach mal vorbei. Es geht um das Leben mit Diabetes, Reisen, Sport, Business und um leckeres Essen. Ich möchte damit Mut machen und zeigen, dass man, wenn man den Diabetes akzeptiert, alles, sowohl den Alltag, als auch extreme Situationen, genauso meistern kann wie ein Nicht-Diabetiker. 

Dafür ist es aber wichtig zu wissen, dass man Diabetes hat. Wenn man sich mit dem Thema auseinander setzt, kann man als Betroffener in Deutschland ein sehr gutes Leben führen. Aus diesem Grund unterstütze ich die Aktion "Deutschland misst" mit meinem Beitrag.