Nadine

Unser erstes Kind war sehr aufgeweckt. Sie konnte sich früh drehen, krabbelte allen davon und sprach schnell die ersten Sätze. An ihren Windeln hing sie allerdings. Ihre Freunde wurden z.T. schon mit anderthalb teilweise trocken. Ich machte mir keine Gedanken. Bis drei Jahre ist es völlig in Ordnung. Sie war noch keine zwei Jahre alt bei der Diagnose. Wir wohnten damals an einer großen Wiese, auf der jedes Jahr im Oktober ein Jahrmarkt stattfand. Auf diesem Jahrmarkt waren wir mit der Krabbelgruppe verabredet.
 
Ich wusste, dass ich viele Windeln benötigen würde. Ich packte also die Wickeltasche: 10 Windeln, Wickelunterlage, drei Hosen, fünf Strumpfhosen, fünf Bodys, vier Pullis und eine Ersatzjacke. Mit diesem Koffer ging es zum Jahrmarkt. Mir fiel auf, dass die anderen Mütter zum Teil nur zwei Windeln und Feuchttücher dabei hatten. Sie schauten mich etwas ungläubig an, als ich mit meiner riesigen Tasche am Treffpunkt aufschlug. Wir wohnten fast direkt an dem Gelände.
 
Meine Tochter bekam ihre erste Zuckerwatte, wir fuhren Karussell und ich wechselte eine Windel nach der anderen während die Krabbelgruppe die kleine Eisenbahn ausprobierte. Sie wollte unbedingt ins Riesenrad, also stellten wir uns an und fuhren mit. Die Fahrt mit Anstellen dauerte keine Viertelstunde und ich hatte vorher noch einmal die Windel und die Strumpfhose gewechselt. Trotzdem war nach der Fahrt alles nass. Die Windel war durch, die letzte Hose war aufgebraucht, im letzten Karussell fuhr sie nur in Strumpfhose mit, dann verabschiedeten wir uns. Nach anderthalb Stunden war mein Vorrat an Kleidung und Windeln aufgebraucht, wir nutzten schon Leihgaben und ich hatte den leisen Verdacht, dass etwas nicht in Ordnung sein kann.
 
Zwei Tage später stand die U-Untersuchung an. Mein Mann - der unsere damalige Kinderärztin nicht besonders mochte - äußerte, dass die Ärztin uns nicht glauben könnte, wie ein halbes Jahr zuvor, als wir dann mit einem topfitten Kind mit Lungenentzündung eingeliefert wurden. Auch dieses Mal war sie topfit. Sie bekam nie Fieber. Nur die Windelberge stiegen. Ich wusste, es ist Diabetes.
 
Ich recherchierte im Internet zu Diabetes und wusste, dass eine Blutuntersuchung nötig sein würde. Mit diesem Wissen ging ich zur U-Untersuchung. Wie befürchtet, erklärte mir die Ärztin, dass es sich um einen Wachstumsschub handeln würde. Ich bestand auf einer Blutuntersuchung und die Ärztin erklärte mir, dass dies mein Kind traumatisieren könnte, man solle erst einmal Urin sammeln. Ich bestand dennoch darauf. Ich zeigte ihr meine Notizen. Mein Mann und ich hatten an dem Sonntag nach dem Kirmesbesuch Buch geführt über ihre Trinkmenge. 2,7 Liter hatte sie getrunken. An einem Tag. Die Ärztin führte die Blutuntersuchung durch und schickte uns nach Hause. Sie würde sich melden, wenn etwas wäre. Wir sollten versuchen, den Urin aufzufangen. Zwei Stunden später rief sie an. Wir sollten die Überweisung abholen und direkt ins Krankenhaus fahren. Dort blieben wir eine Woche lang. Meine Tochter erhielt ihre Insulinpumpe und wurde eingestellt und wir wurden geschult.



Zurück zu allen Stories