Steffi

Ich war 14 Jahre alt, als die Diagnose meines Hausarztes „Diabetes Typ 1“ lautete. Damit konnte ich damals nicht viel anfangen. Erst in der Klinik verriet mir die Krankenschwester, was mich künftig erwartet: Sieben Mal am Tag den Blutzucker messen, Tagebuch schreiben, keinen Zucker mehr essen und etwa vier Mal am Tag selbst das Insulin spritzen. Gleichzeitig hielt man mir den Diätplan vor die Nase, zeigte mir das Messgerät, erklärte dessen Funktion und steckte mir die erste Einwegspritze in den Bauch, die sie vorher mit Insulin aufgezogen hatten.
 
Die Diagnose „Diabetes Typ 1“ traf mich wie ein Schlag ins Gesicht. Obwohl ich mich manchmal sogar frage, ob ich nicht sogar mehr am Klinikaufenthalt als an der Diagnose zu knabbern hatte. Nun ja: Drei Wochen war ich nun in der Klinik damit beschäftigt, von morgens bis abends und sogar nachts den Blutzucker zu messen; Insulin zu spritzen (was ich trotz meiner Angst am zweiten Tag können musste); mich nach einem strengen Diätplan zu ernähren und alle Aktivitäten zu protokollieren; darüber nachzudenken, wie viele BEs die Lebensmittel haben, und meinen Insulinbedarf danach auszurichten; und ins Labor und zu Untersuchungen zu rennen und an Schulungen teilzunehmen.
 
Dabei beobachtete ich weitere Diabetes-Patienten in der Klinik, die blind waren, kein Bein mehr hatten oder unter sonstigen Folgeschäden litten. In mir brach eine Welt zusammen. Ich gab mir selbst die Schuld an der Krankheit, verstand vieles noch nicht. Wahrscheinlich lag das auch daran, dass ich fast wie ein Typ-2-Diabetiker behandelt wurde und damals eben noch andere „Spielregeln“ galten. So kam es bei mir bald zum Kontrollzwang und zur Essstörung...
 
Dank meiner Diabetologin, psychologischer Hilfe, meinem Mann und meinem liebstem Hobby, dem Sport, lernte ich mich selbst wieder Wert zu schätzen und meine Leistung nicht rapide abzuwerten. Ich setze mir nun immer wieder neue Ziele, sehe den Sinn im Leben dadurch wieder, und mir ist bewusst, dass das Leben schöne Seiten hat. Die Krankheit bestimmt nicht mehr mein Leben, sondern ist „nur“ mein ständiger Begleiter. Letztendlich habe ich ihr auch meinen Ehrgeiz, meine Motivation und Beharrlichkeit zu verdanken. Das wurde mir bewusst – und so kam es zum Perspektivenwechsel.
 
Es hat alles gedauert und heute lebe ich sehr gut mit der Erkrankung, nehme an Marathons teil oder auch an 24-Stunden-Läufen. Fahre Rennrad, Mountainbike, genieße das Leben. Ich gehe sehr offen mit dem Diabetes um, auch im Arbeitsleben.  Es ist wie es ist und so soll es eben sein. Zugegeben, die Folgeschäden machen mir schon Angst und es wäre gelogen zu sagen, dass der Diabetes mir nie Probleme bereitet.
 
Aber er gehört eben dazu, hat seinen Platz eingenommen. Vorteile hat er mir ja nun auch beschert, seien es viele neue Kontakte, (insbesondere sportlicher) Ehrgeiz, interessante Jobs oder die Getränke, die ich in Konzerten einschleusen durfte ;)



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