Dirk

1997, im Alter von 26 Jahren, wurde bei mir Diabetes Typ-1 diagnostiziert. 

Aus heutiger Sicht und mit heutigem Wissen hatte ich als erstes Anzeichen beim Radfahren bemerkt. Ich hatte immer öfter Probleme, mit den anderen mitzuhalten, und bekam oft Muskelkrämpfe. Außerdem war ich ständig müde, oft sehr schlapp und hatte viel abgenommen. Irgendwann kam dann noch der immer extremer werdende Durst dazu. Ich erinnere mich noch ganz genau an den einen ganz bestimmten Abend: Meine Frau und ich waren mit einigen Freunden zum Bowling verabredet und für mich gab es nur drei Wege: Zum bowlen, an mein "Cola Glas" und zur Toilette. Nach einiger Zeit nahm mich die Cousine meiner Frau, eine examinierte Krankenschwester, zur Seite und meinte: „Wenn Du eigentlich nicht schon zu alt wärst, würde ich sagen, Du hast Diabetes. Sieh zu, dass Du zum Arzt gehst.“ Ich nahm Ihren Rat an und bin meinem damaligen Hausarzt noch heute für die schnelle Diagnose dankbar, denn er holte, während ich noch am Reden war, bereits das Blutzuckermessgerät aus dem Schrank. Einmal piksen, einige Sekunden warten und dann… 380mg/dl… DIAGNOSE DIABETES!!!

Wir hatten erst vier Wochen zuvor geheiratet und ich sagte nur zur meiner Frau: „Pech gehabt…, das Umtauschrecht ist leider abgelaufen…“ 

Sehr viel Unterstützung und Verständnis fand ich in meiner Familie und in der Gruppe „Die Insuliner“ in Wiesbaden. Die ersten Jahre liefen richtig gut und ich kam mit dem Diabetes sehr gut klar. Doch irgendwann fing ich an, den Diabetes zu vernachlässigen. Die Karriere und eigentlich alles andere drängte sich in den Vordergrund. Ich war nur noch am Wochenende zu Hause und der Diabetes wurde zur Nebensache, aber ich war mir immer sicher, der nächste HbA1c wird bestimmt wieder besser... Aber, denkste! Das ging dann etwa 4 Jahre lang so weiter. 

Nachdem sich meine damalige berufliche Situation dann auch noch anderweitig negativ auf meine Gesundheit auswirkte, habe ich vor drei Jahren die Notbremse gezogen, mich beruflich verändert und entschieden, bei meinem neuen Arbeitgeber von Anfang an ganz offen mit dem Diabetes umzugehen. 

Der nächste, entscheidende Schritt war, dass ich mich letztes Jahr dazu entschlossen habe, wieder an einer Schulung teilzunehmen. Dieser Schulung habe ich extrem viel zu verdanken. Ich habe so viel Neues erfahren, konnte bereits Erlerntes wieder auffrischen und kann mich vor allem seitdem wieder selbst motivieren. Die Schulung selbst und die Geschichten, Erlebnisse, Ängste und Schwierigkeiten von den vielen Mitbetroffenen waren letztendlich die Auslöser, mich noch intensiver mit dem Thema Diabetes zu beschäftigen und unter anderem einen Blog zu schreiben. Mein Blog www.diabetes-lifestyle.indisu.com ist seit kurzem online und es sind mittlerweile doch schon einige Beiträge vorhanden. Schaut doch einfach mal vorbei. Es geht um das Leben mit Diabetes, Reisen, Sport, Business und um leckeres Essen. Ich möchte damit Mut machen und zeigen, dass man, wenn man den Diabetes akzeptiert, alles, sowohl den Alltag, als auch extreme Situationen, genauso meistern kann wie ein Nicht-Diabetiker. 

Dafür ist es aber wichtig zu wissen, dass man Diabetes hat. Wenn man sich mit dem Thema auseinander setzt, kann man als Betroffener in Deutschland ein sehr gutes Leben führen. Aus diesem Grund unterstütze ich die Aktion "Deutschland misst" mit meinem Beitrag. 



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