Stephi

Hi, mein Name ist Stephi und meine Diagnose Diabetes Mellitus Typ-1 kam vor fast einem Jahr, am 03.12.2015. Dieses Datum hat sich so in mein Hirn gebrannt, dass ich schon überlegt hatte es mir tätowieren zu lassen. Ich wollte es erst nicht wirklich wahr haben. Ich hatte viel abgenommen, allerdings dachte ich, dass meine sportlichen Aktivitäten und meine Ernährungsumstellung endlich Früchte tragen. Bis ich dann anfing sehr sehr viel Wasser zu trinken, meinen Durst aber nicht löschen konnte. Ständige Toilettengänge, Krämpfe in den Waden, dass ich vor Schmerzen geweint habe, etc. etc. Ihr kennt das vielleicht... 

Ein guter langjähriger Freund, der schon sehr lange Diabetes hat, hat sich meine Sorgen angehört und mir sein Messgerät in die Hand gedrückt mit den Worten "Teste mal". Ich hatte keine Ahnung welche Werte normal sind und welche nicht. Erst als er mich erschrocken ansah dachte ich mir, dass 300 wohl kein allzu guter Wert war. 
Dann also ab zum Arzt Blut abnehmen, auf die Ergebnisse warten und zwei Tage später saß ich schon in der Praxis meines Diabetologen. Und eins kann man mir glauben, ich war mehr als fertig. Das letzte bisschen Boden wurde mir unter den Füßen weggerissen. 

Anfangs lief es eigentlich ganz gut. Ich musste alles alleine zu Hause lernen. Mir wurde mein Insulin in die Hand gedrückt, kurz erklärt wie ich messe und spritze und ab gings nach Hause. Die ersten drei Monate liefen hervorragend. Dadurch, dass ich sehr schnell zum Arzt bin, war mein HbA1c-Wert noch nicht allzu hoch (8,8) und nach drei Monaten war er bei 6,4. Aber irgendwann holt dich das Leben ein und spielt dir einen Streich. Erst Tage, dann Wochen und irgendwann tatsächlich Monate vergingen, in denen ich weder gemessen noch gespritzt habe. Die Folge? Tja, ihr könnt es euch denken. Mein HbA1c-Wert schoss auf 10,8. 

Endlich kam ich dann im Juni diesen Jahres auf Reha. Ich wollte nur für mich und mein "Monster" sein. Endlich lernen damit umzugehen, endlich andere Menschen treffen die wissen, wie ich mich fühle und mich nicht dafür fertig machen wenn ich mal schlechte Laune habe. Und genau das ist passiert. Ich traf genau die richtigen Leute, denen ich mich anvertrauen konnte, die mir geholfen haben, die mir meine Fragen beantwortet haben. Ich traf sogar meinen inzwischen neuen Partner (auch DM Typ 1), der sich seit dem ersten Tag um mich gekümmert hat. 

Natürlich sind meine Werte nicht immer tip top und ich habe noch einiges zu lernen. Aber ich habe Menschen an meiner Seite die mir tagtäglich zeigen, wofür es sich lohnt auf sich acht zugeben. Momentan bin ich noch am überlegen mir den Freestyle Libre zu holen – aber ich bin so tollpatschig, dass ich befürchte dass der Sensor ständig abgeht. Aber das wird sicher, ich bin guter Dinge :)

Was ich durch meine Diagnose Diabetes Mellitus Typ 1 in knapp einem Jahr gelernt habe? Es ist wichtig, Dinge hinter dir zu lassen, die dir nicht gut tun und das allerwichtigste: Ich bin nicht allein! Es gibt so viele von uns und es ist schön, andere Geschichten zu hören oder zu lesen. 

Manchmal gibt es Tage, da möchte ich meine Krankheit wieder abgeben weil ich sie nicht akzeptieren will, aber dann gibt es wieder die anderen Tage, an denen ich weiß, wenn ich diese Krankheit nicht hätte, hätte ich all die wunderbaren Menschen nicht kennengelernt oder mir um viele Sachen wie z. B. Ernährung etc. keine Gedanken gemacht. 

Danke für’s lesen, auch wenn’s ein bisschen länger geworden ist :) Und alles Gute für jeden Einzelnen von euch. 



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