Stories

Niemand kann besser vermitteln, was es bedeutet, Diabetes zu haben, als wir - die Menschen mit Diabetes. Hier erzählen Menschen mit Diabetes ihre Geschichte, um anderen Menschen Mut zu machen.

Deine Geschichte kann anderen Menschen helfen! Werde auch Du Botschafter der Kampagne „Deutschland misst!“: Für jede Geschichte spenden wir 10,- EUR für Kinder mit Diabetes!

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Meine beiden Großmütter waren bereits Typ-2-Diabetiker, damals Behandlung mit Tabletten. Eine der beiden Großmütter hatte auch Bluthochdruck und Wasser in den Beinen, heute würde sie mit Insulin behandelt werden. Die andere Großmutter hatte außer Diabetes weder einen Geruchssinn noch einen Geschmackssinn. Mein Vater war in den letzten Jahren seines Lebens insulinpflichtiger Typ-2-Diabetiker sowie COPD und ASTHMA Patient. Meine Mutter ist ebenfalls insulinpflichtige Typ-2-Diabetikerin. 

Mein damaliger Hausarzt und Diabetologe hatte mir daher bereits vor 30 Jahren gesagt, dass ich irgendwann Diabetes Typ-2 bekommen werden. Also habe ich mir auf sein Anraten in kurzen Abständen immer den Blutzucker in der Praxis messen lassen. 

Ende November 2007 hatte ich übermäßigen Durst, kam mit Trinken und Wasser lassen nicht mehr nach. Obwohl ich es besser hätte wissen müssen, habe ich nicht daran gedacht, dass nun auch bei mir Diabetes ausgebrochen sein könnte. Zu der Zeit war aber zufällig gerade die 2-jährige Gesundheitsuntersuchung bei meinem damaligen Hausarzt fällig. Bei der Besprechung teilte er mir meinen Blutzuckerwert mit: 392 mg/dl! 

Ich bin dann Mitglied beim Diabetikerbund Rheinland-Pfalz, jetzt LV Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes e.V. geworden. Und ich bin im DMP eingeschrieben. Dazu beziehe ich das Diabetes-Journal im Abo. Und im Diabeteschat von diabetesDE chatte ich unregelmäßig mit Experten zu Diabetesfragen, wenn diese Sprechstunden haben, und stelle Fragen. 

Seit Beginn meiner "Diabeteskariere" kommt einmal monatlich auch die podologische Fusspflege zu mir ins Haus. Seither ist es für mich selbstverständlich, morgens und abends meine Füße einzucremen und Strümpfe anziehen. Anfang 2015 begann ich mit Basisinsulin zusätzlich zu den Antidiabetika-Tabletten. Und seit August spritze ich ein Mahlzeiteninsulin und ein Nachtinsulin. Mit Beginn des Mahlzeiteninsulin habe ich zwar zugenommen, trotzdem würde ich jedem mit Diabetes Typ-2 raten, sobald Metformin nicht mehr ausreicht, mit Mahlzeiteninsulin und einem Nachtinsulin oder Langzeitinsulin - je nach Bedarf - zu beginnen. 

In den ersten Jahren mit Diabetes habe ich Metformin und Sulfonylharnstoffe eingenommen und hatte an den 6 Tagen, die ich jede Woche gearbeitet habe, tägliche eine Unterzuckerung - trotzdem musste ich meine Blutzuckerteststreifen selber kaufen. Es ist eine Schande, dass nicht wenigstens Diabetes-Patienten, die Sulfonylharnstoffe einnehmen, Teststreifen auch auf Kassenrezept erhalten. 

Mit meinem jetzigen Hausarzt, der auch mein Diabetologe ist, habe ich das neu verhandelt. Ich sollte lediglich 400 Teststreifen im Quartal erhalten, jetzt erhalte ich bis zu 750 Blutzuckerteststreifen pro Quartal. Die Ärzte können soviele Teststreifen auf Kassenrezept verordnen wie sie für notwendig für die Behandlung erachten, dafür gibt es keine Begrenzung, und alleine wegen der Teststreifen gibt es auch keine Regressforderung seitens der Kassenärztlichen Vereinigung!

Also: Kämpft um eure Teststreifen, und wechselt notfalls den Diabetologen. 

Meine Diabetes-Story begann vor etwa 7,5 Jahren. Ich wurde über Monate hinweg immer häufiger krank und fühlte mich mit jedem Tag schwächer. In dieser Zeit war ich gefühlt wirklich andauernd beim Arzt. Doch erst als der unerträgliche Durst kam, wusste ich, dass etwas wirklich nicht stimmte. Meine erste Reaktion: Google! Ich tippte „Durst“ und „Müdigkeit“ ein - die Ergebnisse waren ziemlich eindeutig. Am nächsten Tag machte der Arzt es dann offiziell: Ich habe Typ 1 Diabetes. Für den Rest meines Lebens.

Mit der Diagnose kam ich zunächst relativ gut klar. Doch schon bald fing ich an, meine Therapie zu vernachlässigen. Nur so viel dafür zu tun, wie unbedingt nötig war. Ich fühlte mich allein mit meiner Krankheit und wollte mich nicht von ihr einschränken lassen, also ließ ich sie mit minimalem Aufwand nebenher laufen. Vor rund drei Jahren dann kam mein Diabetologe von einer Veranstaltung in Berlin zurück. Er sah, wie ich meinen Folgetermin mit dem Smartphone notierte und sagte „Sie sind doch auch immer digital unterwegs - vielleicht hab ich da was für Sie!“. Er hielt mir einen Flyer vor die Nase: #dedoc° - die Deutsche Diabetes Online Community.

Wenig später war ich zum ersten Mal beim #dedoc° Tweetchat dabei. Erst las ich nur mit, dann gab auch ich meinen Senf dazu. Dann folgte irgendwann mein eigener Blog, auf dem ich nun seit 1,5 Jahren meine Erfahrungen mit dem Diabetes teile. Mittlerweile bin ich stolz, Teil einer solchen Community zu sein, die sich gegenseitig hilft und unterstützt. In der jede Meinung willkommen ist und in der wir alle gleich sind. Wir alle haben Diabetes und wir alle leben jeden Tag damit. Egal ob Typ 1 oder Typ 2.

Allerdings können wir nur gut damit leben, weil wir rechtzeitig diagnostiziert wurden. Zwei Millionen Menschen in Deutschland aber leben mit Diabetes, ohne es zu wissen. Um genau das zu ändern, unterstütze ich „Deutschland misst!“ in den Bereichen Kommunikation und Social Media. Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr möglichst viele Menschen mit unserer Kampagne erreichen und einen Unterschied in ihren Leben machen können. Denn mit Diabetes kann man ein erfülltes und glückliches Leben führen - wenn man es weiß!